Kraft – Liebe – Besonnenheit: Pfingstpredigt 2020

Pfarrer Dr. Sebastian Kranich (Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen)

Predigt am Pfingstmontag, 01. Juni 2020, im „Gottesdienst unter freiem Himmel“ an der Nikolauskapelle Dörflas.

Predigttext: Die Vollmacht der Jünger, Johannesevangelium 20, 19-23

 

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!

23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

 

Liebe Gemeinde,

die Türen verschlossen halten. Das kann richtig sein. Nach all dem, was geschehen ist, gehen die Jünger besser nicht raus. Denn der Tod von Jesus war abschreckend genug – auch für sie.

Sie haben schon davon gehört: Jesus soll leben. Doch was nützt das ihnen? Sie fühlen sich bedroht. Wie er will keiner sterben!

Ja, drinbleiben kann vernünftig sein. Das wissen seit Mitte März auch wir. Denn eine Gefahr liegt in der Luft. Ihr Name: Covid-19: Sie ist nicht zu sehen, zu schmecken, zu riechen oder zu hören – aber deutlich zu spüren.

Tür zu. Stay at Home. Bleib zuhause: So hieß es deshalb wochenlang. Denn die Infektionsgefahr schwebte und schwebt über uns allen, besonders aber über den Risikogruppen.

Also stellten die Einkäufer die gefüllten Tüten anfangs vor die geschlossene Tür der Alten und verschwanden wieder. Vielleicht hinterließen sie noch einen Zettel. Doch bloß kein Körperkontakt!

Und in viele Pflege- und in Seniorenheime gab es über viele Wochen kein Hereinkommen und kein Herauskommen. Es sei denn, man gehörte zum Personal.

Letzteres war sehr hart und auf die Dauer ist es in dieser Art und Weise nicht hinzunehmen. Denn Infektionsschutz ist wichtig. Aber zuerst schützt das Grundgesetz die Menschenwürde.

 

Doch zurück zu den Jüngern: Am Abend halten sie die Türen verschlossen, so heißt es bei Johannes. Mit „am Abend“, da ist wohl weniger eine Tageszeit gemeint, denn eine Stimmung, die sich breitmacht. Denn die Gefahr da draußen, sie schlägt aufs Gemüt. Und die geschlossene Tür tut es auch. Vielleicht fällt den Freunden Jesu schon die Decke auf den Kopf, wie so vielen von uns ab und an in den letzten Wochen.

Womöglich haben auch sie schon einen Koller. 11 Leute sitzen da drin zusammen. Nur der ungläubige Thomas ist nicht da. Vielleicht geht es Ihnen so ähnlich wie uns: Sie sind niedergeschlagen und haben Angst, sie fühlen sich ohnmächtig und sind wütend.

 

Wütend – auf wen? Denn irgendjemand muss doch an all dem schuld sein!

Und da steht dann bei Johannes dieses verhängnisvolle Wort: Die Türen sind verschlossen „aus Furcht vor den Juden.“ Hätten sie nicht einen anderen Schuldigen finden können?

Womöglich haben sie das auch. Also etwa: Dieser Jesus, der hat uns das eingebrockt. Oder doch: Selber schuld! Oder aber, die Mächtigen, die Römer, und die von uns, die sie unterstützen. Aber doch nicht wir einfachen, frommen Juden! Denn Juden das sind sie ja alle elf selber – und Jesus war auch einer. Starb mit einem Schild über den Kopf. Darauf stand sogar: „Der König der Juden.“

 

Tatsächlich ist dem Evangelisten Johannes an dieser Stelle nicht ganz zu trauen. Denn was er da schreibt, das gehört in eine spätere Zeit: Es ist Jahrzehnte später aufgeschrieben. Und zwar in einer Situation, in der die jüdischen Gemeinden mit den neuen christlichen konkurrierten – niedergeschrieben in einem harten Konflikt zwischen Geschwistern, die verschiedene Wege einschlugen.

Doch Ohnmacht und Wut lassen Menschen Schuldige suchen. Sei es als Erklärung im Nachhinein. Oder sei es mittendrin in der Misere. Und leider wirkt in Corona-Zeiten die lange Linie der Judenfeindschaft nach.

Kaum war Corona da, wurden Schuldige gesucht. Die USA beschuldigten China, China die USA. Die Ehe für alle sollte daran schuld sein oder die chinesische Fledermaussuppe, später auch das Mobilfunknetz 5G oder Bill Gates. Über so viel Unsinn kann man sich nur an den Kopf greifen.

 

Aber eins empört mich wirklich: Auf sogenannten Hygiene-Demos tragen Leute den gelben Judenstern mit der Aufschrift: „Impfgegner.“ So vergleichen sie sich mit den unter den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Juden.

Es ist ein perfides Spiel, was Rechtsradikale da treiben. Einerseits schieben sie Juden die Schuld an Corona in die Schuhe. So wird etwa der Holocaust-Überlebende George Soros beschuldigt, Corona als „Biowaffe“ entwickelt zu haben. Andererseits stilisieren sie sich selbst mit dem gelben Stern als Opfer.

Diese Leute spielen ein Spiel mit der Angst. Dabei dürfen Christen nicht mitspielen. Denn Jesus spielt auch nicht mit, beim Spiel mit der Angst.

 

Bei Johannes lesen wir: Jesus betritt den geschlossenen Raum. Er durchbricht ihre Isolation und sagt: „Friede sei mit euch!“ Den ohnmächtig-wütenden, den niedergeschlagen-ängstlichen wünscht er Frieden. Er tut das sogar zweimal. Und die Jünger werden darüber froh. Sie hatten davon gehört, dass er leben soll. Aber nun wird es für sie sichtbar.

Nur bei guten Worten bleibt es jedoch nicht. Denn Jesus tut etwas, was wir gerade besser bleiben lassen: Er bläst die Jünger an. Sie bekommen den Atem des Heiligen Geistes zu spüren. Und der bringt sie in Bewegung, innerlich wie äußerlich.

 

Denn dieser Geist ist anders. Er ist auch nicht zu vergleichen mit dem Geist der Corona-Stimmung, der in dem aktuellen Hit der Rolling Stones in einer Geisterstadt herumgeistert. In „Living in an ghost town“ singt der 76-jährige Mike Jagger:

 

„Life was so beautiful / Then we all got locked down“. Auf Deutsch: „Das Leben war so schön / Dann wurden wir alle eingesperrt“

Und weiter: „I’m a ghost / Living in a ghost town // I’m going nowhere / Shut up all alone // So much time to lose / Just staring at my phone“

Also: „Ich bin ein Geist / Der in einer Geisterstadt lebt // Ich bleibe, wo ich bin / Eingesperrt und ganz alleine // Es gibt so viel Zeit zu verschwenden / Indem ich einfach nur auf mein Handy starre“

 

 

Wie anders der Heilige Geist ist – dazu eine Begebenheit, über die der Theologe und Medizinethiker Ulrich H. J. Körtner unlängst berichtete:

„Dienstag, 21. April, am späten Abend. Markus Lanz moderiert im ZDF die x-te Talkrunde zur Corona-Krise. Im Studio der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, der Virologe Henrik Streeck aus Bonn sowie die Schriftstellerin und Philosophin Thea Dorn.

Zunächst dreht sich das Gespräch um Schutzmasken, um neueste Studien zu Covid-19 und um Prognosen, wie man der Pandemie [….] Herr werden kann. Schließlich kommt der Moderator auf Thea Dorns […] Essay über die Einsamkeit der Sterbenden in den Zeiten von Corona zu sprechen.

Thea Dorn bekennt offenherzig, sie sei kein gläubiger Mensch und legt nach: ‚Wir sind eine vom Glauben abgefallene Gesellschaft‘ […].

Aber dann kommt es: Frau Dorn erzählt, wie sie in Hamburg auf dem Weg zum Studio an einer Kirche vorbeigekommen sei. Draußen hing ein großes Transparent mit einem Zitat aus einem der Paulusbriefe.

‚Und ich‘, so die Philosophin, ‚hätte nicht gedacht, dass ich mal in einem Fernsehstudio sitzen würde und sagen werde: Der klügste Satz, den ich heute gehört habe, war ein Bibelzitat von Paulus! Und zwar stand da drauf: Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. ‘

Thea Dorn weiter:

„Der Satz habe sie […] ‚umgehauen, weil ich den Eindruck habe, wir lassen uns im Augenblick massiv vom Geist der Furcht leiten und nicht vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Und ich glaube, dass das nicht gut ist, wenn die Gesellschaft anfängt, sich vom Geist der Furcht bestimmen zu lassen.“ 1

 

Ich finde: Da ist etwas dran. Denn der Geist der Furcht lässt uns erstarren. Er lässt uns sitzen, die Türen zu. Doch wir können nicht drinnen bleiben, bis es komplett ungefährlich ist. Wir können nicht warten, bis das Virus, bis die Gefahr endgültig verschwindet.

Jesus jedenfalls schickt seine Jünger los, wie sein Vater ihn losgeschickt hat. Dabei ist die Gefahr für sie beileibe nicht vorüber. Doch er gibt ihnen den heiligen Geist. So können sie ihre Starre überwinden.

Für uns kann das heute etwa heißen: Schritt für Schritt heraus aus dem Lockdown. Mit Kraft, mit Liebe und – nicht zuletzt – mit Besonnenheit. Denn Leichtsinn ist nicht angebracht, wie es auch in Thüringen jede und jeder wissen kann. Und wie es jetzt die dramatischen Bilder aus Brasilien zeigen.

 

Und nicht zuletzt vermögen die Jünger Jesu durch den heiligen Geist noch etwas anderes. Jesus sagt zu ihnen: „Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“

Die Fähigkeit und das Vermögen, Sünden zu erlassen: Vielleicht ist das zu Pfingsten 2020 die wichtigste Gabe des Heiligen Geistes. Denn Schuld zuweisen und Versäumnisse vorhalten – das geschieht jeden Tag:

Was wurde zu spät getan? Und: Was wird zu früh gelockert gewesen sein? Welche Entscheidungen waren falsch oder unangemessen? Was ist schiefgelaufen, war und ist ungerecht? Vielleicht auch nur: Wer hat sich geirrt?

Erst sollte der Sommer gegen Corona helfen, dann wieder doch nicht. Erst waren Masken überflüssig, jetzt sind sie Pflicht, bald sind sie freiwillig: Alles Gründe, um mit Wissenschaftlern und Politikern hart ins Gericht zu gehen. Und auch unter Christen wurde der Ton untereinander zunehmend rau.

 

Während einer Regierungsbefragung auf dem bisherigen Höhepunkt der Corona-Krise sagte Gesundheitsminister Jens Spahn diesen Satz: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“

Jesus sagt: Viel einander verzeihen: Das müsst ihr zwar nicht. Denn: „Welchen ihr die Sünden behaltet, denen sind sie behalten.“ Aber ihr könnt das tun, weil: „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen.“

Und ihr braucht auch nicht Leute verfolgen und belangen, weil sie zu Ostern Posaune geblasen haben, und womöglich gegen den Buchstaben einer Verordnung verstoßen haben.

 

Ordnungen sind sinnvoll. Aber im Geist der Liebe muss man sie auch einmal überschreiten können. Selbst dann, wenn man sie selber fabriziert hat. Bodo Ramelow wurde in einem Interview der ZEIT damit konfrontiert. Nach einem Gesprächsgang über Krankheit und Tod sagte der Interviewer:

„Es gab Fälle, da durften Eheleute nicht mal voneinander Abschied nehmen. Da starb man alleine und wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit begraben. Das haben Sie mitentschieden.“

Ramelow antwortete:

„Ja, das habe ich. Und heute frage ich mich, ob das in allen Punkten richtig war oder ob es nicht möglicherweise noch andere Lösungen gegeben hätte. Vor kurzem ist etwa meine Nachbarin gestorben. Ich kannte sie seit vielen Jahren. Eigentlich hätte ich nicht bei ihrer Beerdigung dabei sein dürfen. Doch ich hatte das Gefühl, es zu müssen, wenn auch mit großem Abstand. Alles andere wäre mir unmenschlich vorgekommen. Schließlich habe ich gegen die Verordnung verstoßen, die ich selbst zu verantworten habe.“ 2

 

War das falsch? Mit dem Auge des Gesetzes gesehen: Vielleicht war es da falsch. Aber mit dem Geist der Liebe betrachtet: Da war es gut.

Wir kommen doch nicht weiter, wenn wir einander böse anzinken und giftig anblasen. Greifen wir gegen Corona besser zum pfingstlichen Gegenmittel: zum Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 

Dieses Mittel hilft, versprochen.

 

Amen

 


1https://zeitzeichen.net/node/8315

2https://www.zeit.de/2020/21/bodo-ramelow-corona-krise-krisenpolitik-altenpflege-gesundheitswesen


Andacht zum Mai 2020

Um Himmelswillen – gebt die Erde nicht auf! Nach sonnigen Tagen endlich Regen. Das Leben bricht auf. Blütenblätter drängen neugierig ans Licht, kündigen Frühlingszeit an. Unendlich vieles hat sich über den Winter gerettet: Obstbaumblühten, die großen Kelche der Magnolien, die kleinen Gänseblümchen. Das Glück des Frühlings ist es, wie neugeboren leben zu dürfen. Jubilate.

Und doch, ich bin nicht im Paradies aufgewacht. Seit März verändert ein kleiner Virus unseren Alltag in vielfältiger Weise. Jubilate ist verstummt. Neue bittere Nachrichten, Leben bedrohend, Leben bedrückend, Lebenswege enden trotz aller intensiven ärztlichen Bemühungen.

Ungezähltes Jubilate will, kann nicht gelingen. Unsere Gottesdienste, Zeiten der Gemeinschaft: Jubilate – Kantate – Rogate – werden nur sehr langsam und unter teils unzumutbaren Bedingungen (Gesangsverbot) wieder möglich sein.

Ich blättere in meiner Bibel – da war doch noch was: schon die erste Verse 1.Mose 1-31 „und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe es war sehr gut.“ Mit einer schönen poetischen Erzählung beginnt die Bibel, erzählt vom Anfang der Welt. Wir schreiben das 6. Jahrhundert vor Christi Geburt. Das kleine Israel hat den Krieg gegen das übermächtige Babylon verloren. Damals begannen israelitische Priester den Verschleppten eine Geschichte zu erzählen von der Erschaffung der Welt, von der Erschaffung des Lichts, der Himmelskörper, der Tiere und zu guter Letzt des Menschen. Sie wurde erzählt als eine Trostgeschichte, sie wurde erzählt, um Menschen aufzurichten, um sie in schwerer Zeit in Glaubensanfechtungen zu ermutigen: vertraut unserem Gott. Vertraut ihm auch in der Not. Denn als Schöpfer von Himmel und Erde ist er auch Anfang und Ende aller Dinge.

Ein kleiner Virus bringt so viel Not und Tod, Leben bedrohende Situationen in unseren Alltag. Können wir angesichts all dessen die Schöpfungsgeschichte noch als Trostgeschichte lesen? Ist sie uns nicht zu einer Geschichte menschlichen Scheiterns, Versagens, über einer Jagd nach Macht, Profit geworden? Trotz allem Belastendem, Entmutigendem bleiben diese Verse am Beginn unserer Bibel eine Trostgeschichte. Denn sie versichert uns, dass unser Gott diese Welt ins Sein gerufen hat. Mehr noch: dass Gott diese Welt auch erhält „wie es ihm selber gefällt“.

Und weil das so ist, darf diese Geschichte gerade angesichts aller Hiobsbotschaften, die uns auch in unserem eigenen Leben erreichen können, für uns eine Trostgeschichte, ja mehr noch: eine Hoffnungsgeschichte sein. „Um Himmelswillen – gebt die Erde nicht auf“ heißt es in einem neuen Kirchenlied. Damit einher geht die Aufgabe, dass wir uns auch in dieser Zeit füreinander einsetzen.

Sie kennen viele wunderbare, ermutigende, frohe und manchmal heil machende Zeiten des Miteinanders und Füreinanders – jubelt – singt und betet. So ist diese alte Geschichte für uns heute eine ermutigende Hoffnungsgeschichte, eine Geschichte, die wissen lässt: Gott hat uns nicht aufgegeben trotz allem was geschehen ist und was immer noch geschieht. Deshalb sind wir eingeladen anzunehmen uns selbst nicht aufzugeben, nicht zu resignieren, Wir leben unseren Alltag in Jubel und Not, folgen Jesus, dem Auferstandenen. Er ist uns vorausgegangen im Leben und Licht.

Gebet:

Herr, unser Gott,

jeder Sonntag erinnert uns an den Tag, an dem das Leben neu begann. Jeder Sonntag erinnert uns an die Kraft deiner Liebe. Doch mit meinem Kopf und meinem Herzen bin ich noch weit entfernt, Dankbarkeit und Freude zu empfinden und hinaus zu jubeln. Zu sehr bedrücken die Geschehnisse um die Coronapandemie und die ganz persönliche Belastung des Alltags.

So denken wir an alle Kranken zu Hause, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich, ihre Kraft und ihre Gaben ein für alle.

Herr, unser Gott, mit dir sind wir verbunden und wir sind es miteinander und füreinander in Gedanken aber vor allem im Herzen. Herr, unser Gott, vertreibe die Schatten aus unserem Sinn, die Traurigkeit aus unserem Herzen und Gedanken.

Lass uns so verbunden bleiben mit dir und deinen Gemeinden.

Wir beten zu dir: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name…

Gott segne uns und behüte uns, Gott lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig, Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen in der Verbundenheit unserer großen und weiten Nikolaus-Kapelle Dörflas Gemeinde

Um Himmelswillen – gebt die Erde nicht auf! Nach sonnigen Tagen endlich Regen. Das Leben bricht auf. Blütenblätter drängen neugierig ans Licht, kündigen Frühlingszeit an. Unendlich vieles hat sich über den Winter gerettet: Obstbaumblühten, die großen Kelche der Magnolien, die kleinen Gänseblümchen. Das Glück des Frühlings ist es, wie neugeboren leben zu dürfen. Jubilate.

Und doch, ich bin nicht im Paradies aufgewacht. Seit März verändert ein kleiner Virus unseren Alltag in vielfältiger Weise. Jubilate ist verstummt. Neue bittere Nachrichten, Leben bedrohend, Leben bedrückend, Lebenswege enden trotz aller intensiven ärztlichen Bemühungen.

Ungezähltes Jubilate will, kann nicht gelingen. Unsere Gottesdienste, Zeiten der Gemeinschaft: Jubilate – Kantate – Rogate – werden nur sehr langsam und unter teils unzumutbaren Bedingungen (Gesangsverbot) wieder möglich sein.

Ich blättere in meiner Bibel – da war doch noch was: schon die erste Verse 1.Mose 1-31 „und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe es war sehr gut.“ Mit einer schönen poetischen Erzählung beginnt die Bibel, erzählt vom Anfang der Welt. Wir schreiben das 6. Jahrhundert vor Christi Geburt. Das kleine Israel hat den Krieg gegen das übermächtige Babylon verloren. Damals begannen israelitische Priester den Verschleppten eine Geschichte zu erzählen von der Erschaffung der Welt, von der Erschaffung des Lichts, der Himmelskörper, der Tiere und zu guter Letzt des Menschen. Sie wurde erzählt als eine Trostgeschichte, sie wurde erzählt, um Menschen aufzurichten, um sie in schwerer Zeit in Glaubensanfechtungen zu ermutigen: vertraut unserem Gott. Vertraut ihm auch in der Not. Denn als Schöpfer von Himmel und Erde ist er auch Anfang und Ende aller Dinge.

Ein kleiner Virus bringt so viel Not und Tod, Leben bedrohende Situationen in unseren Alltag. Können wir angesichts all dessen die Schöpfungsgeschichte noch als Trostgeschichte lesen? Ist sie uns nicht zu einer Geschichte menschlichen Scheiterns, Versagens, über einer Jagd nach Macht, Profit geworden? Trotz allem Belastendem, Entmutigendem bleiben diese Verse am Beginn unserer Bibel eine Trostgeschichte. Denn sie versichert uns, dass unser Gott diese Welt ins Sein gerufen hat. Mehr noch: dass Gott diese Welt auch erhält „wie es ihm selber gefällt“.

Und weil das so ist, darf diese Geschichte gerade angesichts aller Hiobsbotschaften, die uns auch in unserem eigenen Leben erreichen können, für uns eine Trostgeschichte, ja mehr noch: eine Hoffnungsgeschichte sein. „Um Himmelswillen – gebt die Erde nicht auf“ heißt es in einem neuen Kirchenlied. Damit einher geht die Aufgabe, dass wir uns auch in dieser Zeit füreinander einsetzen.

Sie kennen viele wunderbare, ermutigende, frohe und manchmal heil machende Zeiten des Miteinanders und Füreinanders – jubelt – singt und betet. So ist diese alte Geschichte für uns heute eine ermutigende Hoffnungsgeschichte, eine Geschichte, die wissen lässt: Gott hat uns nicht aufgegeben trotz allem was geschehen ist und was immer noch geschieht. Deshalb sind wir eingeladen anzunehmen uns selbst nicht aufzugeben, nicht zu resignieren, Wir leben unseren Alltag in Jubel und Not, folgen Jesus, dem Auferstandenen. Er ist uns vorausgegangen im Leben und Licht.

Gebet:

Herr, unser Gott,

jeder Sonntag erinnert uns an den Tag, an dem das Leben neu begann. Jeder Sonntag erinnert uns an die Kraft deiner Liebe. Doch mit meinem Kopf und meinem Herzen bin ich noch weit entfernt, Dankbarkeit und Freude zu empfinden und hinaus zu jubeln. Zu sehr bedrücken die Geschehnisse um die Coronapandemie und die ganz persönliche Belastung des Alltags.

So denken wir an alle Kranken zu Hause, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich, ihre Kraft und ihre Gaben ein für alle.

Herr, unser Gott, mit dir sind wir verbunden und wir sind es miteinander und füreinander in Gedanken aber vor allem im Herzen. Herr, unser Gott, vertreibe die Schatten aus unserem Sinn, die Traurigkeit aus unserem Herzen und Gedanken.

Lass uns so verbunden bleiben mit dir und deinen Gemeinden.

Wir beten zu dir: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name…

Gott segne uns und behüte uns, Gott lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig, Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen in der Verbundenheit unserer großen und weiten Nikolaus-Kapelle Dörflas Gemeinde

Ihre Pastorin Christiane Baumgarten

Ostern 2020

Österliche Gedanken zum biblischen Text

1. Korinther 15,12ff

„Wenn wir nun gepredigt haben, dass Jesus Christus von den Toten auferweckt ist, wie können da einige von euch behaupten, eine Auferstehung der Toten gibt es nicht! Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann kann ja auch Christus nicht auferstanden sein. Wäre aber Christus nicht auferstanden, so hätte unsere ganze Predigt keinen Sinn und euer Glaube hätte keine Grundlage. Mit Recht könnte man uns dann vorwerfen, wir seien Lügner und keine Zeugen Gottes. Nun aber ist Christus als erster von den Toten auferstanden. So können wir sicher sein, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden.“

Vor einiger Zeit las ich in einer Zeitung das Ergebnis dieser Umfrage „Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?“. Nur 1/3 der Befragten antworteten darauf mit Ja. Wenn wir unter Christen so fragen würden, gäbe es da bei jedem die Antwort mit ja? Offenbar gab es da auch schon bei den ersten Christen in Korinth Zweifel und Unsicherheit. Damit setzt sich der Apostel Paulus in seinem Anschreiben an die Korinther auseinander. Für mich ist heute dabei die entscheidende Frage – was traue ich Gott zu? Sollte Gott nicht die Möglichkeit haben, seinen uns bis in den Tod liebenden Sohn Jesus Christus wieder ins Leben zu rufen? Dieser Jesus sagt zu uns: „Ich lebe und ihr sollt auch leben, ich gehe euch voraus, euch die Stätte zu bereiten, damit ihr seid wo ich bin.“ Was ist das für eine einzigartige Perspektive! Paul Gerhard formuliert sie in einem seiner Osterlieder: „wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit, er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd und Not“ …

Immer wieder wurde gefragt, beruht die Osterbotschaft nicht auf einem Betrug der Junger? Sie wollten sich mit dem Scheitern ihrer Hoffnungen nicht abfinden und hätten so das größte Täuschungsmanöver inszeniert. Die Auferstehung Jesu sei von ihnen erfunden worden!

In der Tat kommen die späteren „Säulen“ des Urchristentums in den Evangelienberichten um Ostern nicht gerade gut weg. Wir lesen in den realistischen Berichten von ihren Zweifeln und ungläubigem Nachfragen, von ihren Zweifeln und ihrer Skepsis. War schon der Sinn seines Kreuzestodes für sie nicht fassbar, wie sollten sie mit seinem leeren Grab klarkommen? Erst als der Auferstandene ihnen selbst begegnet und sie von diesem Wunder überzeugt werden, können sie wieder froh werden und dies glaubwürdig bezeugen.

Eine Frau berichtete mir, als sie das Sterben ihres Mannes im Wohnzimmer erlebte, dass eine helle Gestalt erschien und ihn mit sich nach draußen durch die Mauer führte. Was für ein tröstendes Erleben! Wir konnten dadurch dankbar Abschied nehmen Unser Tod ist seit Jesu Auferstehung ein Übergang in die neue Welt Gottes. Die Gewährsleute für die Auferstehung Jesu bezeugen es so: „Was wir gesehen und gehört haben, dass verkündigen wir euch“. Mit der Auferweckung Jesu von den Toten wird der neue Bund zwischen Gott und uns Menschen gültig. Wir, haben durch unsere Taufe Anteil an dem Ostersieg Jesus über den Tod. Der Auferstandene, Jesus, garantiert uns die himmlische Bleibe nach unserem irdischen Leben. Alle ungeklärten Fragen, alle ungelösten Probleme und alle Widersprüche werden ihrer Lösung zugeführt. Wir sind als Christen oft nicht besser als andere Menschen, aber wir sind besser dran. Unser Glaube hat eine feste und unzerstörbare Grundlage. So grüßen sich Christen seit Ostern: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Das gilt für jeden von uns, besonders auch für diejenigen unter uns, die zweifelnd nicht mehr. weiterwissen. In der Tiefe des Zweifels erwartet uns der auferstandene Herr.

Ein gesegnetes Osterfest wünschen Euch besonders zur Zeit der Coronakrise, wo erstmalig kein Gottesdienst stattfinden kann und darf wegen Ansteckungsgefahr

Eure Ruthilde und Klaus Herden, Schöndorf

 

20-Jahresfeier Nikolauskapelle am 26. Mai 2019

Nach der Renovierung der Gutskapelle Dörflas durch eine Initiativgruppe stand die Wiedereinweihung für Pfingstmontag 1999 an (damals der 24. Mai). Das Rittergut gab es nicht mehr. So beschloss man die erneuerte Kapelle auf den Namen Nikolauskapelle einzuweihen.

Um den 20. Jahrestag der Wiedereinweihung der Nikolauskapelle zusammen mit allen Freunden der kleinen Kirche festlich zu begehen, veranstalteten die Mitglieder des Fördervereins am 26. Mai 2019 einen gemeinsamen Nachmittag mit einem Gottesdienst und einem anschließenden Kaffeetrinken.

Als Ehrengäste konnten neben dem Regionalbischoff i.R Hans Mikosch und dem Landrat Thomas Fügmann auch die Nachkommen des Errichters der Kapelle, Karl Wilhelm Wetzel, begrüßt werden. Für den musikalischen Rahmen sorgen der Posaunenchor Friesau/Zoppoten und der Kinderchor der Kirchgemeinde Crispendorf.

Als ein kleines Highlight stellte der Förderverein bei dieser Veranstaltung das neue Buch „Die Nikolauskapelle in Dörflas “ erstmals der Öffentlichkeit vor.

Fotos: Pasold/Veldten